Stadtpfarrkirche
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Pfarrkirche und Pfarrei St. Martin
Für eine frühe Besiedlung des Stadtgebiets legen die Funde eines bronzezeitlichen Urnenfeldes (12./11. Jahrhundert v. Chr.) und Grabfunde aus alemannischer Zeit (6./7. Jahrhundert n. Chr.) Zeugnis ab.
Erstmals urkundlich erwähnt wird Illertissen als "oppidum Tussa" im Jahr 954 n. Chr. in der Vita Udalrici, der Lebensgeschichte des heiligen Bischofs Ulrich von Augsburg. Damals standen sich hier die Truppen von König Otto dem Großen und dessen aufständischem Sohn Herzog Liutolf kriegerisch gegenüber. Durch das Verhandlungsgeschick der Bischöfe Ulrich von Augsburg und Hartperth von Chur gelang schließlich die historisch bedeutsame Aussöhnung zwischen Vater und Sohn. Bis heute ist Illertissen dem heiligen Ulrich als dem Patron der Diözese Augsburg verpflichtet. Dafür sind die "Bischof-Ulrich-Grundschule", die "Ulrichstraße" und eine echte Ulrichsreliquie unter dem Tabernakel des Hochaltars als Beispiele zu nennen.
Der Ursprung der Pfarrei St. Martin, die eine sogenannte "Urpfarrei" ist, reicht in das frühe Mittelalter zurück. Die Wahl des heiligen Martin von Tours (316-397) als Kirchenpatron weist darauf hin, dass die Gründung zwischen 750 und 800 erfolgt sein dürfte. Um 1220 sind Besitzungen des Klosters Einsiedeln (Schweiz) in Illertissen nachgewiesen, und zwar im Urbar des Benediktinerstifts Einsiedeln von 1220. Von 1355 bis 1553 war die Pfarrei dem Damenstift Edelstetten inkorporiert, danach übernahm die Familie der Vöhlin das Patronat. Die Gemeinde entrichtete seitdem den Zehnten an das hiesige Herrschergeschlecht.
Der gesamte Gebäudekomplex der Pfarrei St. Martin mit Kirche, altem Pfarrhof von 1745, Benefiziatenhaus von 1509, neuem Pfarrzentrum von 1980-1982, Kindergarten und Marienbrunnen liegt mitten in der Stadt Illertissen, als Westrand des alten Ortskerns und auf dem Gelände des vormaligen Friedhofs. Der hoch aufragende Turm mit polygonalem Aufsatz und Schweifhaube setzt einen markanten Akzent innerhalb der heutigen Baugruppe.
Vom mittelalterlichen Baubestand der Kirche ist heute nur noch der Unterbau des Turms erhalten. Die Gruftkapelle im Nordteil der Kirche stiftete Erhard Vöhlin der Ältere anlässlich des Todes seiner Frau Helena im Jahr 1547. Den Neubau der Kirche ließen Ferdinand und Carl Vöhlin 1590 errichten. In den Folgejahren erhielt die Kirche ihre bedeutende Ausstattung im Stil der Spätrenaissance und ganz im Sinn der gegenreformatorischen Glaubens-demonstration.
Der stattliche Hochaltar aus dem Jahr 1604 von Christoph Rodt
(1575-1634) , einem Wegbereiter des bayerischen Frühbarock, dominiert zusammen mit dem überlebensgroßen Kruzifix aus der Hand desselben Künstlers den Innenraum der Kirche. Der mehrgeschoßige, teilweise vergoldete Altaraufbau ist das frühe Hauptwerk des in Neuburg an der Kammel geborenen Künstlers. In der Mitte des Hochaltars ist die Krönung Mariens dargestellt, den Auszug des Altars bildet die Darstellung des Erzengels Michael im Kampf mit dem Teufel. Karl Feuchtmayr sagte dazu: "Einer Darstellung von solch festlicher Pracht und von solch rhythmischem Schwung wie der Marienkrönung können sich nur wenige monumentale Skulpturengruppen des damaligen Süddeutschland vergleichen."
Die Ausstattung des Kirchenraums wird durch die Kanzel von 1685, die beiden Seitenaltäre von 1708, die Rokoko-Apostelfiguren von 1768 und das Deckengemälde mit der Glorie des heiligen Martin von 1894 ergänzt.
Der Altarraum wurde 1989-1990 im Sinne der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils neu gestaltet. Nach den Entwürfen von Adolf K. Zach wurden Volksaltar, Ambo und Tabernakel aus rotem Porphyr gemeißelt. Die Chorraum-Anbauten aus den Jahren 1958 bis 1960 tragen der größeren Zahl von Gottesdienstbesuchern Rechnung.
Der Turm ist 48,75m hoch und beherbergt die altehrwürdige Hosannaglocke, die Erhard II. Vöhlin 1524 gestiftet hat. Außerdem läuten seit 1949 die Christkönigsglocke (1180 kg), die Marienglocke (825 kg), die Josefsglocke (490 kg) und die Armenseelenglocke (340 kg).
Heute ist die Pfarrei St. Martin in Illertissen eine Pfarrei mit regem Gemeindeleben.
Das Leben der Pfarrei hat sich in zahlreichen Verbänden, Kreisen und Gruppen organisiert und bildet einen wichtigen Bestandteil des kulturellen Lebens der Stadt. Dazu gehören der Frauenbund mit 230 Mitgliedern, 120 Ministranten mit ihren Gruppen, die Kolpingfamilie, das Büchereiteam der Pfarr- und Stadtbücherei St. Martin, der Förderkeis für Kirchenmusik und klassische Musik, verschiedene Familienkreise und Vorbereitungsteams für Kinder- und Familiengottesdienste, zwei große kirchliche Kindergärten, das Caritaszentrum St. Hedwig, Gymnasium und Realschule in kirchlicher Trägerschaft des Schulwerks der Diözese Augsburg und nicht zuletzt das Pfarrzentrum mit Kirche und historischen Pfarrgebäuden, das wie ein kleines Dorf inmitten der Stadt Illertissen den Lebensmittelpunkt der Gemeinde darstellt.

Kirchenführer Illertissen St. Martin
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